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Tagung in Warschau:

Konferenz "The Pacification(?) of post-World War II Europe", Warschau, 20.-22.02.2014

Als ein wichtiges Phänomen bzw. Produkt des Kalten Krieges identifizieren Historiker oft einen Wandel des politischen Denkens in Europa – über den Eisernen Vorhang hinweg – von der althergebrachten Machtpolitik im Sinne der balance of power und des Krieges als natürlicher ultima ratio politischen Handelns hin zu einer friedensorientierten und transnationalen Konsenskultur. Von frühen Abrüstungsinitiativen besonders in Mitteleuropa über den KSZE-Prozess bis zur Neupositionierung der Europäischen Union nach 1990 zeigte sich darin eine Neigung der (nichtsowjetischen) Europäer zur Selbstdarstellung als ‚fortschrittlich‘ im Sinne einer sowohl postbellizistischen als auch postnationalen Zivilisation. Dies implizierte mehr oder weniger auch eine Distanzierung von den unverändert ‚gewaltbereiten‘ (und vor allem zur strategischen Gewaltanwendung fähigen) Supermächten. Letztere wiederum zweifelten immer wieder  - zurecht? – an der ‚Einsatzfähigkeit‘ bzw. am ‚Wehrwillen‘ der Europäer.

Abgesehen davon, dass das Denken in nationalen Kategorien auch in Europa zu keiner Zeit als zentrale Referenzgröße verschwand, ist zu fragen, ob die beschriebene Entwicklung wirklich als Ausdruck eines normativen Neuansatzes gelten kann oder, anders formuliert, als Ergebnis eines Lern- und Läuterungsprozesses. Liegt es nicht näher, zum einen die – völlig legitime – Furcht der Europäer vor physischer Vernichtung im nuklearen Zeitalter als Motiv ihres ‚Pazifismus‘ zu sehen, und zum anderen die Betonung eines friedensbetonten ‚neuen Denkens‘ (lange vor Gorbatschow) zumindest auch als ‚moralische‘ Kompensation für den eigenen Machtverlust nach den Weltkriegen? Außerhalb Europas hatten die Noch-Kolonialmächte jedenfalls auch nach 1945 keine Hemmungen, alte Machtansprüche zu behaupten und gegen die kolonisierten Völker extreme Gewalt anzuwenden.

War es also ein echtes Umdenken oder nicht vielmehr die eigene Unfähigkeit zur Anwendung traditioneller Machtmittel auf dem eigenen Kontinent, welche ein neues politisches Paradigma hervorbrachte, mit der Idee einer „Zivilmacht Europäische Union“ als Krönung? Und wo steht Europa in der „multipolaren“ Welt von heute? Die Konferenz wird aus verschiedensten Blickwinkeln Spuren und Manifestationen dieser Entwicklung zusammentragen und versuchen, ein realistisches Bild Europas nach 1945 zu zeichnen.

 
 

Flyer zur Tagung.pdf
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den
Pressesprecher Oberstleutnant Dr. Harald Potempa
(zmsbwpressestelle@bundeswehr.org), Telefon +49 331 9714-400.