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Buchpräsentation und Podiumsdiskussion am 5. April 2016 in Berlin:

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Kooperation mit dem Rhombach Verlag präsentierten den Band von Philip Münch: "Die Bundeswehr in Afghanistan. Militärische Handlungslogik in internationalen Interventionen."

Buchpräsentation „Die Bundeswehr in Afghanistan“

Am Abend des 5. April 2016 präsentierte das ZMSBw im Presse- und Besucherzentrum des Bundespresseamts in Berlin das Buch „Die Bundeswehr in Afghanistan. Militärische Handlungslogik in internationalen Interventionen“ von Dr. Philipp Münch. In diesem geht der am ZMSBw tätige Autor der Frage nach den Ursachen für die vielfach wahrgenommenen Probleme des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr nach.

Münch untersucht die Logik der politischen und militärischen strategischen sowie operativen Planungen, des Auslandsnachrichtenwesen, der Gewaltpraxis und des Umgangs mit afghanischen Machthabern. Er ordnet diese dabei ausführlich in die Geschichte der Bundeswehr und in die lokalen afghanischen Verhältnisse ein. Schließlich gelangt er zu der These, dass die Handlungslogik des Afghanistan-Einsatzes auf den unterschiedlichen Ebenen eine überwiegend selbstreferenzielle gewesen sei. Mit wenigen Ausnahmen waren insbesondere in der Heimat verankerte Interessenlagen und historisch gewachsene Einstellungen für die Akteure entscheidender als die Bedingungen des Einsatzlandes. Da die politische Zielsetzung stets vage blieb, entwickelte sich eine auf das Operative fokussierte reaktive Eigenlogik des Einsatzes. Münchs Arbeit beruht auf der bis dahin umfangreichsten Auswertung offener Quellen zum Thema sowie Interviews, die er auch bei mehreren unabhängigen Feldforschungsaufenthalten in Afghanistan führte. Teile seiner Ergebnisse veröffentlichte er zuvor u.a. für die Stiftung Wissenschaft und Politik und das Afghanistan Analysts Network.

Zur Buchpräsentation erschienen trotz des sommerlich guten Wetters außergewöhnlich viele Gäste, darunter namhafte Vertreter der wissenschaftlichen und policy-orientierten Forschung wie Prof. Dr. Sönke Neitzel (Universität Potsdam), Thomas Ruttig (Afghanistan Analysts Network), Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner (Freie Universität Berlin) und Vertreter der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Mit Winfried Nachtwei erschien zudem ein ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestags, das die politische Debatte um das deutsche Engagement in dem Land stets entscheidend vorangetrieben hat. Hinzu kamen zahlreiche Angehörige der Bundeswehr, darunter auch Vertreter der Generalität.

Begrüßende und einführende Worte durch Oberst Prof. Dr. Winfried Heinemann, der den Kommandeur des ZMSBw vertrat, und den Leitenden Wissenschaftler des ZMSBw, Prof. Dr. Michael Epkenhans, eröffneten die Veranstaltung. Sie begann mit einer Laudatio von Generalleutnant a.D. Rainer Lutz Glatz, Fellow an der Stiftung Wissenschaft und Politik und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des ZMSBw. Als amtierender, stellvertretender und schließlich Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr begleitete er von 2006 bis 2013 die „heiße Phase“ des Afghanistan-Einsatzes an verantwortlicher Stelle. Er lobte das Buch ausdrücklich und empfand auch dessen Kernthese überzeugend. Gleichwohl konnte er die Kritik am Auslandsnachrichtenwesen und zur Eigenlogik der Gewalt nicht teilen.

Hiernach folgte eine Podiumsdiskussion, die der im sicherheitspolitischen Bereich profilierte Journalist und Blogger Thomas Wiegold („Augen geradeaus!“) moderierte. Neben Glatz und Münch nahm hieran Prof. Dr. Conrad Schetter, Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC), teil. Schetter ist Verfasser eines der wichtigsten wissenschaftlichen Werke über Kriege in Afghanistan, hat vielfach im Land geforscht und politische Entscheidungsträger beraten.

Alle Podiumsteilnehmer sowie in Wortmeldungen Nachtwei und Daxner stimmten der Kernthese des Buches zu. Dennoch entwickelte sich eine leidenschaftlich geführte Kontroverse um die von Glatz kritisierten Thesen. Hierbei mag so manchem Zuhörer das Sprichwort vom „Zeitzeugen als Feind des Historikers“ in den Sinn gekommen sein.

Glatz argumentierte in dem einen Debattenstrang, dass er aufgrund seiner eigenen Erfahrungen nicht erkennen konnte, dass nach den zunehmenden Angriffen von Aufständen ab Ende der 2000er Jahre eine signifikante Anzahl von Soldaten sich von Vergeltungswünschen beeinflussen ließ. Münch verwies dagegen insbesondere auf anderslautende Selbstzeugnisse und vor allem in der Kampftruppe verbreitete historisch tradierte Kriegerideale. In der anderen Kontroverse verneinte Glatz, dass die meisten Entscheidungsträger zu wenig über die Verhältnisse in Afghanistan gewusst hätten. Er verwies darauf, dass er sich seit den 1980er Jahren mit dem Land befasst und das Auslandsnachrichtenwesen detaillierte Berichte produziert hätte. Dem entgegnete Münch, dass die Qualität der Informationen nur vor dem Hintergrund – meist nicht vorhandener – lokaler Detailkenntnisse bewertet werden könnte. Schetter verwies zudem darauf, dass Informationen nicht mit Wissen gleichzusetzen seien. Aus seiner persönlichen Erfahrung erschien es ihm zudem, dass viele Bundeswehr-Vertreter in Afghanistan gehandelt hätten als sei es ein leerer Raum ohne historisch gewachsene Strukturen, die im Widerspruch zu westlichen Programmatiken hätten stehen können. Zudem hätten sie oft unrealistischen existenzialistischen Sichtweisen, wie der eindeutigen Zuordnung der Bevölkerung zu ethnischen Gruppen, auf das Land angehangen.

Mit einem anschließenden Stehempfang konnten Gäste und Podiumsteilnehmer die Diskussion fortführen und den Abend ausklingen lassen.


 


 







 



PB Medien


Flyer Buchpraesentation.pdf
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den
Pressesprecher Oberstleutnant Dr. Harald Potempa
(zmsbwpressestelle@bundeswehr.org), Telefon +49 331 9714-400.